Grußworte zum 10 jährigen Bestehen des
EKP e.V. im Schloß Regendorf am 7.11.1997
Staatsinstitut für Frühpädagogik
Landkreis Starnberg Familienberatungsstelle
Prof. Dr. Walter Tröger, Universität Regensburg
I F P
STAATSINSTITUT
FÜR FRÜHPÄDAGOGIK
27. April 1998
Qualität in der Eltern-Kind-Gruppenarbeit
durch den Eltern-Kind-Programm
e.V.
Eine mobile Leistungsgesellschaft stellt an den einzelnen Menschen
und ganz besonders an die Familien hohe Anforderungen an Flexibilität
und Lernbereitschaft. Wissenschaftliche Untersuchungen aus der Familienpsychologie
und Soziologie weisen auf tief greifende Veränderungen hin,
die nicht nur die Struktur der Familien, sondern auch die Qualität
der Partner- und der Eltern-Kind-Beziehungen betreffen.
Darüber hinaus liegen Erkenntnisse vor, wonach der Familienentwicklungsprozess
zunehmend diskontinuierlich verläuft, und die Familien von
heute mehr Übergänge in ihrer Biographie integrieren müssen,
als dies bislang der Fall war.
Diese Veränderungen und die hohe Zahl der Einflussfaktoren
auf das Familienleben tragen dazu bei, dass Fragen der Kindererziehung
komplexer wurden, und die Risiken des Missgelingens sich erhöhten.
Eltern brauchen gerade am Beginn des Familienlebens Möglichkeiten
des Erfahrungsaustausches und der Unterstützung. Eltern-Kind-Gruppen sind ein vortreffliches Angebot für Eltern, um Fragen der Kindererziehung
beraten zu können und um in einer Gruppe Solidarität und
Unterstützung zu erleben. Ein deutlicher Beweis, dass Eltern-Kind-Gruppen die Erwartungen der Eltern treffen, ist der große Zuspruch,
den Eltern-Kind-Gruppen verzeichnen.
Der sprunghafte Anstieg lässt jedoch die Gefahr anwachsen,
den Anspruch einer sachgerechten Elternbildung zu verlieren.
Der Eltern-Kind-Programm
e.V. hat sich besonders verdient gemacht, indem er sich für
die Qualität der Eltern-Kind-Gruppenarbeit einsetzt und sie weiterentwickelt. In mehreren Projekten, die der Eltern-Kind-Programm
e.V. durchführte, wurden Publikationen erarbeitet, die
eine theoretische Fundierung der Eltern-Gruppenarbeit leisten und
für die Praxis Anregungen liefern. Ein einzigartiger Beitrag,
der vielen anderen Institutionen, die Eltern-Kind-Gruppen anbieten, zugute kommt und Hilfen anbietet. Die Projekte, die der Eltern-Kind-Programm
e.V. durchführte, entwickelten in enger Kooperation mit
der Praxis die vorgelegten Erkenntnisse. Alle Modelle und Praxishinweise
wurden von mehreren Gruppenleiterinnen erprobt und sind somit das Ergebnis praktischer Erfahrungen.
Aber nicht nur durch Praxisnähe zeichnen sich die Veröffentlichungen aus, sondern auch durch ihre wissenschaftliche Fundierung.
Im Eltern-Kind-Programm
e.V. wurden immer Erkenntnisse aus der Pädagogik und Psychologie
aufgegriffen und integriert. Besonders aus der engen Zusammenarbeit
mit dem Lehrstuhl für Pädagogik der Universität Regensburg
erwuchs eine qualitative Fundierung der Eltern-Kind-Gruppenarbeit im Hinblick auf erwachsenenpädagogische
Weiterbildung.
Der Eltern-Kind-Programm
e.V. bietet ein anspruchsvolles Konzept zur Ausbildung von Eltern-Kind-Gruppenleiter/innen,
das in die pädagogisch-psychologischen Bildungsvoraussetzungen
einführt und in vielen praktischen Übungen Fertigkeiten
zur Leitung von Eltern-Kind-Gruppen einübt. Für die Ausarbeitung und empirische Überprüfung
dieses Ausbildungskonzeptes konnte der Eltern-Kind-Programm
e.V. ebenfalls die wissenschaftliche Kompetenz der Universität
Regensburg nutzen. Die Praxis bestätigt die hohe Effektivität
dieses Ausbildungskonzepts , denn weit über 80% der Eltern-Kind-Gruppenleiterinnen führen anschließend erfolgreich Eltern-Kind-Gruppen.
Der Eltern-Kind-Programm
e.V. ist ein wichtiger Garant für eine anspruchsvolle,
effektive und subjektorientierte Eltern- und Familienbildung. Er
ist eine Bereicherung innerhalb der Vielfalt an Familienbildungsmöglichkeiten. Der Verein bietet
in seinem Jahresprogramm viele Themen für Elternbildungsseminare an, die sich großer Beliebtheit erfreuen und die überdurchschnittlich
auch von Vätern besucht werden. Daher können die Erfahrungen
aus dem Eltern-Kind-Programm
e.V. für viele Institutionen in der Familie als vorbildlich
gelten.
Zum 10jährigen Jubiläum die besten Glückwünsche
und viel Erfolg für die weitere Zukunft.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Dr. Dr. W. E. Fthenakis
Kinder-, Jugend- und Familienberatungsstelle des Landkreises Starnberg
Beratung und Therapie für Familien, Kinder und Jugendliche
Kinder-,
Jugend- und Familienberatungsstelle 82319 Starnberg
|
Hauptstelle:
Strandbadstraße 2, 82319 Starnberg
Telefon (08151) 14 83 88
|
Die am Kind orientierte Elternbildungsarbeit des Vereins Eltern-Kind-Programm
e.V. ist mir seit seines Bestehens bekannt. Es gibt viele ergänzende
Verflechtungen unser gemeinsamen Arbeit für Eltern und Kinder
in unserem Landkreis. Ich habe die engagierte, von Fröhlichkeit,
erfüllender Beziehung zur Natur und zu Menschen getragene Arbeit
des EKP e.V. immer als Bereicherung und begleitende Unterstützung für
viele Familien erlebt und in ihren Auswirkungen als Anstoß
zur notwendigen Beratungsarbeit in der Kinder- Jugend- u. Familienberatungsstelle
erfahren.
Meine Gratulation für 10 Jahre Programmangebot, das getragen
war von mitmenschlichen Engagement, ohne moralischem Zeigefinger
und lebenssprühender Kreativität! Ich glaube, das diese
Haltung den Kindern am meisten entspricht und ihre Herzen erreicht.
Für Eltern war ihre Arbeit oft ein wichtiger Anstoß
zur eigenen mütterlichen beziehungsweise väterlichen Entwicklung,
den es sonst leider nirgens in unseren Bildungsinstitutionen gibt.
Das Geheimnis Ihres Erfolges liegt im Tun.
Elfie Schloter
Dipl.-Psych. u. Fam. Therapeutin
Supervisorin
Leiterin der Kinder- Jugend- u.
Familienberatungsstelle des
Landkreises Starnberg
und des Institutes für Zusammenarbeit im Erziehungsbereich.
Prof. Dr. Walter Tröger
Universität Regensburg
1. Die Einladung
Vor etwa 17 Jahren erhielt ich im Institut für Pädagogik
an der Universität Regensburg eine Einladung in eine Ferienstätte.
Es sollte eine neue Form der Elternbildung, genannt "Eltern-Kind-Programm"
vorgestellt werden, entwickelt vom Staatsinstitut für Frühpädagogik.
Vor 17 Jahren, das war die Zeit, in der der große pädagogische
Aufschwung der 70er Jahre im Abklingen war. Er hatte sich nicht
auf die Familie gerichtet, sondern auf die Schule. Von ihr wurden
Wunderdinge erwartet, die Familie wurde kaum beachtet und wenn,
dann eher negativ, als Widerstandsnest der alten autoritären
Erziehung. Immerhin etwas von der pädagogischen Begeisterung
bekam auch die Elternbildung mit, im Zug des Ausbaus der Erwachsenenbildung.
Vor allem zwei Formen hatten sich entwickelt:
- Die Information in Form von Vortrag und Seminar, Elternabend
und Diskussionen.
- Die Eltern-Trainings-Programme
Der Wert der Vorträge und Seminare ist unbestritten, aber
begrenzt, der Informationsertrag ist selten nachhaltig, die Umsetzung
in die Praxis schwierig. Die Trainingsprogramme wandten sich von
vornherein an einen kleinen Kreis, der die meist aus Psychotherapie
stammenden Trainingsmethoden aushielt und durchhielt.
Was sollte nun diese neue Form sein, das "Eltern-Kind-Programm"?
Mit einer Mischung von Skepsis und Erwartung fuhr ich zu der Ferienstätte.
Die Skepsis wurde widerlegt, die Erwartung aufs erfreulichste erfüllt.
2. Das EKP
Im EKP e.V. kommen Eltern und Kinder zusammen, tun irgend etwas, spielen, werken,
feiern, wandern, singen. Die Gruppenleiterin beziehungsweise der Gruppenleiter
steht nicht distanziert nebendran, sondern mittendrin. Sie machen
mit, sind Spielpartner und sie geben Ratschläge, Anregungen,
beteiligen sich aufmerksam. Dann setzen sich die Leiter mit den
Eltern allein zusammen und sprechen über das, was vorher in
der Gruppe abgelaufen ist, über das, was dahinter steht an
Spannungen, Problemen, Konflikten. Das hört sich so simpel
an; ist das alles? In der Tat ist hier in gewisser Weise wirklich
alles kombiniert, was für Elternbildung wichtig ist.
2.1. Die Rolle des Leiters
Es wird kein großer Experte aufgebaut, der von hoher Warte
an die unwissenden Lauen Weisheit austeilt. Die Leiter gehören
mit zur Gruppe, sie nehmen teil und Anteil. Ihr Wissen wird nicht
losgelöst vorgetragen, sondern mitten in der gemeinsamen Tätigkeit
vermittelt;
enger kann man Theorie und Praxis nicht verbinden.
2.2 Die Eltern
Sie sind weder passiver Zuhörer wie beim Vortrag, noch auswechselbare
Ausführende eines vorbestimmten und gleich bleibenden Trainingsprogramms.
Sie sind aktiv, die E-K-Gruppe erlaubt nicht nur, sondern provoziert Spontanität. Die
ganz individuellen Nöte und Erfahrungen kommen zur Sprache,
so dass jede Gruppe anders ist und sich anders entwickelt. Die Eltern
werden ernst genommen und vor allem, sie helfen sich gegenseitig
vornehm formuliert: sie sind nicht Objekte, sondern Subjekte der
Hilfe.
2.3 Die Familien untereinander
Familienprobleme sind Beziehungsprobleme, heute vor allem ein Problem
des Beziehungsmangels nach außen. Viele Familien sind isoliert,
die Eltern, zum Teil noch mehr die Kindern. So ist das "Sich-Aussprechen-Können"
allein schon für viele eine spürbare Hilfe.
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